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der aktuellen Ausgabe






Gottesdienst zum Schuljahresbeginn

Pfarrer Dr. Jochen Kunath, Markgrafenstr. 18b, 79115 Freiburg, Jochen.Kunath@kbz.ekiba.de

Der Kasus
Das Spektrum geht von Schulanfängern bis zum Abiturienten, von Kindern, die ganz neu in die Schule kommen und teilweise erst fünf Jahre sind, bis zu Jugendlichen, die ihr letztes Jahr in der Schule verbringen. Die Bandbreite an Gefühlen zum Schuljahresbeginn ist dementsprechend groß: von Neugier über Angst und dem Gefühl des prickelnden Neubeginns eines Lebens- und Familien-abschnitts bis zur Routine oder Langweile des „Schon wieder ein neues Schuljahr“ und der Ahnung, dass nun ein letztes Mal ein Schuljahr beginnt und der Abschied aus der Schule spürbar naht.
Bei Gottesdiensten zum Schuljahresbeginn stehen der Segen Gottes, sein Beistand, seine Kraft und seine Hilfe für das kommende Schuljahr im Mittelpunkt. Der Schuljahresbeginn ist aber auch der Übergang von der langen Ferienzeit wieder zurück (oder neu) in die Schulzeit. Es geht darum, sich dieses Übergangs bewusst zu werden, sich wieder einzufinden und in die neue oder „alte“ Schulzeit verheißungsvoll aufzubrechen.

Die Idee
Das Thema „Sinne“ begleitet Schülerinnen und Schüler gleichermaßen zu jeder Zeit. Der Gottesdienst soll die Sinne bewusst machen, schärfen und zum sinn-vollen Aufbrechen und Entdecken anregen. Dabei wird der Übergang vom einen in den anderen Lebensbereich anhand der verschiedenen Sinnempfindungen nachgezeichnet und die Lust, mit Sinn und Sinnen Gott im Neuen (wieder) als Fülle und Wegbegleiter zu entdecken, angeregt. Generell bieten sich alle Sinne dafür an. Sie haben den Vorteil, dass die Kinder ganzheitlich und handlungsorientiert angesprochen werden. Im Folgenden sind Anregungen für den Sinn Riechen gegeben; aber man könnte auch den Hörsinn und so zum Beispiel die Schulglocken (Schulgong) im Gottesdienst thematisieren.

Motive
Wie rochen die Ferien? Was haben die Schüler gerochen? Welche Düfte, welchen Gestank? In welchen Räumen und an welchen Personen?
Wenn man „woanders“ war, dann riecht man (zum Beispiel die Kleider) nach diesem Ort. Dann trägt man den Geruch mit sich.
Wie riecht das Schulhaus, die einzelnen Räume, einzelne Gegenstände? Kennen die Schülerinnen und Schüler diesen Geruch vom letzten Jahr noch? Welchen Geruch in der Schule erwarten die Schulanfänger?
Manche haben von der Schule die Nase voll, haben keine Lust auf Schule. Manche sind „verschnupft“, weil (zum Beispiel) das letzte Zeugnis nicht so gut war, weil sie „sitzengeblieben sind“.
Jeder riecht anders – im doppelten Sinne; was für die einen Duft und Wohlgeruch ist, ist für den anderen Gestank. Jeder hat seinen Körpergeruch. Jeder geht damit anders um (Parfüm, Deo). Es gibt auch den Geruch von einer Gemeinschaft (Fußballmannschaft, Kultur).
Wie riecht Gott? Kann man Gott riechen? Kann er uns riechen? Ja und nein. Glaube ist mit allen Sinnen verbunden; wir spüren Gott auch über unsere Sinne. Gottes Menschwerdung umfasst auch sein Eingehen in und auf unsere Sinne. Gott mag nicht alles an uns riechen, er rümpft auch seine Nase, aber wir alle sind sein Wohlgeruch.
Wenn der Gottesdienst in einer Kirche stattfindet: Wie riecht es hier? Riecht es besonders hier? Warum riecht es hier so? Die Schülerinnen und Schüler könnten aufgefordert werden, diesen „Gottes-Geruch“ „mitzunehmen“ in die kommende Schulzeit und sich zur kleinen Aufgabe machen, diesen „Gottes-Geruch“ im Laufe der Schulzeit immer wieder zu suchen. Dies könnte unterstützt werden durch eine kleine Atemmeditation und/oder eine Atem-
übung. Riechen geschieht über Lufteinatmen, der „Geruch“ strömt in mich.

Praktisches

„Riechen“, „Geruch“, „Duft“ kommen in der Bibel marginal vor; anregend sind Joh 12,3, 2. Kor 2,15, Eph 5,2. Eine olfaktorische Geschichte ist zum Beispiel die Salbung von Bethanien (Mt 26,6–13); in vielen biblischen Erzählungen stecken kleine Duftelemente. Handlungsorientierte Materialien gibt es einige, angefangen von selbst gebauten Riechkästen über Dinge des alltäglichen Lebens, die deutlich riechen (Duftsäckchen, Parfüm, Käse …). Vieles hängt von der Anzahl der Schülerinnen und Schüler im Gottesdienst ab. Wichtig ist insgesamt, dass das Motiv bzw. der Sinn nicht überstrapaziert werden bzw. nicht zu sehr das bloß Körperliche in allen denkbaren und undenkbaren Richtungen in den Mittelpunkt gerät. Auch sollte man vorsichtig sein, wenn es um den Geruch von Personen geht, gerade im Kontext Schule. Eine große Rolle spielt (wie immer) die Musik; Gerüche könnten auch klingen. Wenn auch etwas sehr als Idee/Symbol verbraucht, könnte am Ende des Gottesdienstes den Schülerinnen und Schülern eine Rose und deren verheißungsvoller Duft überreicht werden. Als praktisch hat sich erwiesen, die Klassen bestimmten Bank- oder Stuhlreihen zuzuordnen, diese könnten mit Bildern von Duftgegenständen gekennzeichnet werden. Am Ende des Gottesdienstes könnten die Klassen unter „Nachsingen“ des letzten Liedes einzeln und (hoffentlich) ruhig ausziehen, um draußen dem Duft „der großen weiten Welt“ nachzugehen.