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Herausgeber Gerhard Engelsberger

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Ausgabe 6 / 2018

„Gebrochenes Brot für gebrochene Menschen“ – und „Probebohrungen im Himmel“

Pfarrer Gerhard Engelsberger, Mozartstr. 24, 69234 Dielheim

Wenn jemand wider den Stachel löckt und erfrischend neu die Bibel erzählt, dann haben sie oder er meine größte Sympathie. Ich habe vor Jahren ein Buch veröffentlicht - längst nicht mehr auf dem Markt - mit dem Titel „Wunde Seele, aufrechter Gang“. Jörg Zink hat unter dem Stichwort „Wegzehrung“ Gedanken aus der Tischgemeinschaft geschöpft. „Herbergskultur“ war in den 1990ern ein provozierendes Bild für eine „mobile, menschennahe“ Kirche.
Nun veröffentlicht im katholischen Herder-Verlag ein Australier ein hervorragendes exegetisches wie praktisch-theologisches Buch:

Francis J. Moloney, Gebrochenes Brot für gebrochene Menschen. Eucharistie im Neuen Testament, Freiburg 2018, 360 S., ISBN: 978-3-451-38044-0, 38,00 Euro.
Ich zitiere einen zentralen Gedanken (S. 204f):
„Die frühe Kirche gründete ihr Verständnis der Eucharistie auf das gefährliche Gedächtnis der Tischgemeinschaft Jesu. Und wenn sie sich an ihre Anfänge „erinnerte“, akzeptierte sie auch die gefährliche Erinnerung daran, wie Jesus seinen Tisch mit den ge­brochenen Menschen seiner Gesellschaft und Kultur teilte. Die Eucharistie war dabei keine Ausnahme. So wie Jesus seinen Tisch mit den Gebrochenen und Ausgestoßenen teilte, waren die frühen Christen aufgerufen, ihren eucharistischen Tisch mit den Gebrochenen zu teilen. (Hervorhebung G. E.) Obwohl eine sich entwickelnde Liturgie und Theologie der Eucharistie in den neutestamentlichen Be­richten zu finden sind, sind sie auf der Grundlage des Gedächt­nisses an Jesu Mähler während seiner Wirksamkeit gegründet. „Dieses festliche Mahl verringert und steigert die häufigen Mäh­ler, die Jesus und die Zwölf teilten; viel mehr als jedes vorher­gehende Mahl ist es erfüllt vom Empfinden einer feierlichen Erwartung.“ Die frühesten christlichen Gemeinden verstanden ihre Feiern nicht als die einer vollkommenen Kirche, die eine vollkommene Gemeinde an ihrem Tisch willkommen heißt.
Zurückblickend auf die Erfahrung von Versagen und Sün­digkeit, welche die historischen Anfänge der Kirche prägte, sprachen die neutestamentlichen Verfasser kühn von der Liebe Jesu, der seinen Tisch, und seinen Leib und sein Blut, mit ihnen und für sie teilte.
Die früheste Kirche blickte zurück auf eine Tradition von Jesu Mahlgemeinschaft mit den Gebrochenen und an den Rand Gedrängten. (Hervorhebung G. E.) Sie bringt diese Tradition zum Ausdruck in ihrem Nachdenken über die Eucharistie in den Berichten von der Brot- und Fischvermehrung in allen vier Evangelien. In der erzählen­den Darstellung des Letzten Mahls Jesu mit seinen Jüngern in den Evangelien und mit der paulinischen Beschreibung der Worte und Taten Jesu „in der Nacht vor seinem Tode“ wird dieses Thema fortgeführt. Unsere lange Untersuchung der Be­gegnung des Paulus mit seiner Gemeinde von Korinth sowie des Markus-, Matthäus-, Lukas- und Johannesevangeliums hat uns an diesen Punkt gebracht.“
Der Autor:
Francis J. Moloney, geb. 1940 in Melbourne/Australien, seit 1959 Salesianer Don Boscos. Lehrte als Professor für biblische Theologie an diversen Universitäten in Australien und den USA. Zurzeit Professor für Neues Testament an der University of Divinity, Melbourne. Von 1984 bis 2002 Mitglied der Internationalen Theologenkommission.
Der Verlag schreibt dazu mit Recht:
„In seinen Studien zur Eucharistietheologie in den Evangelien und bei Paulus zeigt der international renommierte Neutestamentler Francis J. Moloney, was die eucharistische Praxis der ersten Christen der Kirche bis heute mit auf den Weg gibt: Die Eucharistie ist kein Lohn für die Vollkommenen, sondern Gottes gnadenhafte Nahrung für die Schwachen und Gebrochenen. Ermutigt durch den Aufruf von Papst Franziskus, die biblischen und theologischen Hintergründe zur Frage des Sakramentenempfangs wiederverheirateter Geschiedener weiter zu vertiefen, widmet sich der Autor auch dieser Frage in seinen Studien ausführlich.
Dies ist nicht nur ein Buch für Wissenschaftler, obwohl es Anmerkungen enthält, welche die Überlegungen des Autors innerhalb der breiteren wissenschaftlichen Diskussion zu diesen Fragen verorten. Diese Anmerkungen behalten viel von seiner früheren Dokumentation bei, bringen sie jedoch bezüglich ihres Umfangs und ihrer Fundierung entscheidend auf den neuesten Stand. Sie können jedoch ggf. ignoriert werden. Moloney versucht, in einer Art zu schreiben, die für alle Menschen verständlich ist, die sich dafür interessieren, wie die Eucharistie in den christlichen Kirchen gefeiert und gelebt wird.
Aus dem Vorwort von Xavier Léon-Dufour: „Jesus lebte das Evangelium der Barmherzigkeit und verkündete es ohne Zögern. Darüber hinaus sprach er in erster Linie zu den Armen, den Gebrochenen. Was für Jesus zählt, ist nicht die Gerechtigkeit in der Befolgung von Geboten, sondern die bedingungslose Hingabe an seine Person, die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Nächsten. Ist diese Vorliebe Jesu in unserer gegenwärtigen Feier der Eucharistie noch sichtbar? Ist Jesu Ruf zur Freude erstickt worden durch detaillierte Anweisungen, wer am Mysterium teilnehmen darf und wer nicht? Ist die Gute Nachricht sorgsam in Silos gelagert worden, um sie besser konservieren zu können? Damit sie ihre jugendliche Frische nie verliert, muss sie der frischen Luft ausgesetzt werden. Francis Moloney leitet uns an, genau hinzuhören auf die stets klare Stimme des Lebendigen Wortes. “

Michael Braun, Probebohrungen im Himmel. Zum religiösen Trend in der Gegenwartsliteratur, Freiburg 2018, 270 S., ISBN: 978-3-451-38091-4, 28,00 Euro
Seit zig Jahren feiern wir „Literaturgottesdienste“.
Damit die Bandbreite des aktuellen Jahres 2018 gezeichnet wird:
Daniel Kehlmann, Tyll, Reinbek 2017; Ulrich Wickert, Nie die Lust aus den Augen verlieren. Lebensthemen, Hamburg 2018; Kent Haruf, Unsere Seelen bei Nacht, Zürich 2017; Nell Leyson, Die Farbe von Milch, München 2017; Markus Orths, Max, Berlin 2017; Martin Walser/Jakob Augstein, Das Leben wortwörtlich, Hamburg 2017.
Manchmal ist Lyrik dabei, manchmal selbst Wilhelm Busch; gelegentlich kommen Guareschis Helden um Don Camillo zu Wort; auch über Erich Kästner und Eugen Roth kann man ins Nachdenken - und Lachen - kommen.
Wer will, mag „googeln“ unter „Literaturgottesdienste.de“.
Nun nimmt sich - endlich wieder einmal - ein Germanist und Theologe der Frage an, welche religiösen Implikationen und Trends (von Arno Geiger und Rafik Schami über Hilde Domin und Günter Grass bis zum endlos - hervorragend - schreibenden Martin Walser und anderen) sich in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur finden.
Ich empfehle dieses Buch nicht nur für alle, die sich mit „Gegenwartsliteratur“ in „Gottesdiensten“, beschäftigen, sondern auch für die vielen, die es sich nicht nehmen lassen, ab und zu die Gegenwart aus der Sicht unserer Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu sehen (zu lesen).
Der Autor:
Michael Braun, geb. 1964, Studium der Germanistik, Kath. Theologie, Politik- und Erziehungswissenschaft. Promotion 1992, Habilitation 1999. Seit 1992 Leiter Referat Literatur bei der Konrad-Adenauer-Stiftung und seit 2005 apl. Professor für Neuere Deutsche Literatur und ihre Didaktik in Köln.
Der Verlag schreibt:
„Einem Bonmot Arnold Stadlers zufolge ist die Gottesfrage, neben dem Bankgeheimnis, das am besten gehütete Tabu unserer Zeit. Michael Braun zeigt demgegenüber, dass die deutschsprachige Gegenwartsliteratur ,religiös musikalischer’ geworden ist. Im Wandel von Menschen- und Gottesbild unter dem Einfluss der life sciences sowie in der ,Berichtigung’ biblischer Geschichten zeigt sich, was die Religion in der Literatur zu sagen hat und wie Literatur Religiöses in ästhetische Erfahrung verwandelt.
Das Buch behandelt vielfältige Themen, u. a. Korrespondenzen zwischen Erinnerung und Religion; Exil, Flucht und Vertreibung; Gott, Geld und Medien; literarische Metropolenbilder und Neufigurationen von Josef und Maria; und beschäftigt sich u. a. mit Werken von Arno Geiger, Louis Begley, Atom Egoyan, Rafik Schami, Hilde Domin, Ulrike Draesner und Martin Mosebach.
,Die Literatur unserer Zeit ist empfänglich für Themen und Motive, für Figurationen und Konstellationen aus religiösen Kontexten. So wird gezeigt, auf welche Weise im ,Botschaftsverkehr zwischen Oben und Unten‘ (Sibylle Lewitscharoff) das Sprechen der Offenbarung abgelöst worden ist durch die ,fremdprophetischen’ Stimmen der Literatur.’“ (Michael Braun)

 

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