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Herausgeber Gerhard Engelsberger

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Ausgabe 10 / 2018

Der Monatsspruch im Oktober 2018

stud. theol. Maria Götz, Lindenstr. 1, 75223 Niefern

Es ist wieder soweit. Am 31. Oktober. Reformationstag. Letztes Jahr wurde das große Jubiläum „500 Jahre Reformation“ mit dem 31. Oktober als Höhepunkt gefeiert. Denn am 31. Oktober 1517 soll Luther seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche angeschlagen haben. Die Thesen waren aber nur ein Schritt auf dem reformatorischen Weg. Luther ahnte damals wohl kaum, was noch alles auf ihn zukommt. Nur ein Jahr später, im Oktober 1518, steht er als Ketzer angeklagt in Augsburg. Er soll seine Thesen widerrufen. Ansonsten droht ihm der Tod. Was war passiert?

Die Thesen hatten einen wahren Wirbel ausgelöst. Zwischen Oktober 1517 und Oktober 1518 überschlagen sich die Ereignisse. Luther wird immer bekannter. Man spricht über ihn und seine Thesen im ganzen Land. In Schriften, Briefen und Diskussionen erklärt und verteidigt er seine Theologie. Bei den einen stößt er auf Zustimmung, bei den anderen auf Ablehnung. Der Fall Luther dringt schließlich bis nach Rom vor. Im Sommer 1518 wird ein Inquisitionsverfahren gegen ihn eröffnet. Es wird immer gefährlicher. Denn nicht selten endet ein solches Verfahren auf dem Scheiterhaufen. Im Oktober 1518 muss Luther dann seine Theologie in Augsburg vor dem päpstlichen Gesandten Cajetan verteidigen.

Luther und Cajetan im Oktober 1518 in Augsburg. Gerade mal knapp ein Jahr liegt es zurück, dass Luther seine Thesen veröffentlicht hat. Jetzt steht er als Ketzer angeklagt in Augsburg. Cajetan fordert Luther auf, die Thesen zu widerrufen.
Widerruft Luther? Er hat die Wahl: widerrufen oder zu seinen Überzeugungen stehen - den drohenden Tod vor Augen. Widerruft Luther? Nein. Er geht in Augsburg sogar weiter als in den Thesen. Ihm ist wichtig: Der Glaube rechtfertigt, nicht Sakramente. Im Glauben kann jeder persönlich zu Gott kommen und Gott direkt anrufen. Es braucht dafür keine Vermittlungsinstanz.
Was gibt Luther damals in Augsburg Kraft, zu seinen Überzeugungen zu stehen? Er vertraut eben darauf: Im Glauben kann ich persönlich zu Gott kommen, mit all meinen Ängsten und Bitten. Luther hat sich intensiv mit den Psalmen beschäftigt. Die Worte des Beters aus Psalm 38 waren ihm sicher vertraut und es hätte ihn bestimmt nicht gestört, wenn man ihm dessen Worte in den Mund legt. Mit dem Beter aus Psalm 38 kann Luther einstimmen: „Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.“ Luther dürfte hin- und hergerissen sein. Angesichts des Inquisitionsverfahrens hat er wohl schon viele Seufzer gen Himmel gestoßen, ebenso angesichts der Zustände in der Kirche. Vielleicht sehnt er sich nach einem ruhigen und beschaulichen Leben und hofft doch gleichzeitig, Kirche und Theologie zu reformieren. Luther weiß nicht, wie Augsburg enden wird, aber er glaubt und vertraut darauf: Mein Seufzen und Sehnen, meine Ängste und Bitten kann ich vor Gott bringen.

Augsburg geht für Luther glimpflich aus. Einer drohenden Verhaftung entzieht er sich durch Flucht, und dank der politischen Umstände ruht das Verfahren gegen ihn erst einmal. In den folgenden Monaten und Jahren zieht die reformatorische Bewegung immer weitere Kreise. Der reformatorische Weg mit all seinen Höhen und Tiefen mündet schließlich darin, dass die evangelische Kirche entsteht und nun seit bald einem halben Jahrtausend besteht.

So ist es auch dieses Jahr wieder soweit. Am 31. Oktober. Reformationstag. Allerdings wird 2018 nicht so groß gefeiert wie das Jubiläumsjahr 2017. Der Reformationstag ist dieses Jahr kein bundesweiter Feiertag, und die Luther­nudeln laufen langsam ihrem Verfallsdatum entgegen. Es gibt aber nicht weniger Anlass zum Feiern. Denn der Thesenanschlag ist ein Schritt auf dem reformatorischen Weg. Augsburg im Oktober 1518 ist ein weiterer Schritt, der sich 2018 zum 500. Mal jährt. Und der Weg der evangelischen Kirche geht weiter. Die Botschaft von damals bleibt. Im Glauben und Vertrauen kann jeder vor Gott treten und ihn direkt anrufen: „Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.“

 

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